ANUG

akute nekrotisierende ulzerierende Gingivitis

Was ist das denn?

akut = unvermutet auftretend, rasch und heftig verlaufend
nekrotisierend = führt zum Absterben von Gewebe
ulzerierend = geht mit Geschwüren einher
Gingivitis = Zahnfleischentzündung

Sonderform der Zahnfleischentzündung

Die ANUG ist eine besonders aggressive Form der Zahnfleischentzündung. Die Bakterien dringen ins Gewebe ein und zerstören das Zahnfleisch dauerhaft.

Man vermutet als Ursache eine Störung der Immunabwehr gegenüber bakteriellen Infektionen.

 

 

Symptome

  • plötzlicher Beginn
  • spontanes Zahnfleischbluten
  • starke Zahnfleischschmerzen
  • starker Mundgeruch
  • metallisch-fauliger Geschmack
  • Fieber
  • Mattigkeit, Abgeschlagenheit, Krankheitsgefühl
  • schmerzhafte, geschwollene Lymphknoten

 

Wer ist betroffen?

Am häufigsten erwischt es Jugendliche und junge Erwachsene, die Altersgruppe der 15 bis 30-jährigen.

ANUG tritt besonders bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem auf.

Oft bei Stress - zum Beispiel in Prüfungs- oder Trennungsphasen oder bei einer ungesunden Lebensweise: Rauchen, Medikamenten- oder Alkoholabusus und Mangelernährung. Auch ungenügende Mundhygiene spielt eine Rolle.

 

Verlauf

Ausgangspunkt ist eine "normale" Zahnfleischentzündung. Die ANUG beginnt normalerweise an den Papillenspitzen - Papillen sind die Zahnfleischdreiecke zwischen den Zähnen.  Die Spitze wirkt wie weggestanzt und ist oft gräulich belegt. Die besonders aggressive Entzündung schreitet rasch fort und führt zu einer dauerhaften Zerstörung des Gewebes. Deshalb fehlt auch nach Abheilen der Entzündung das Zahnfleisch an den zuvor erkrankten Stellen.

Komplikationen

Wird die ANUG nicht beizeiten behandelt, so kann sie auf tiefere Anteile des Zahnhalteapparates übergreifen wie zum Beispiel den Knochen und die Fasern. Dann spricht man von einer ANUP, einer akuten, nekrotisierenden, ulzerierenden Parodontitis.

Gelegentlich finden sich auch Abklatschgeschwüre auf Wange oder Zunge, was dazu führt, dass Betroffene vor Schmerzen die Nahrungsaufnahme und Hygienemaßnahmen ganz einstellen.

 

Schnell zum Zahnarzt!

Die schnelle Verlaufsform und die bleibende Gewebszerstörung machen es zwingend erforderlich, so früh wie möglich Hilfe zu suchen.

 

Wie wird das behandelt?

Der Dreck muss weg

Alle harten und weichen Beläge sollten gründlich entfernt werden, damit die Anzahl der infektionsauslösenden Bakterien reduziert wird und das Zahnfleisch sich regenerieren kann.

Im akuten Zustand ist eine gründliche Reinigung schwierig und oft nur unter Betäubung möglich, weil jede Berührung schmerzhaft ist.

 

Desinfektion

Zusätzlich zur mechanischen Reinigung, sollte auch der Zahnfleischsaum mit Chlorhexidin/CHX 0,1-0,2% täglich zwei- bis dreimal desinfiziert werden, bis die deutlichen Symptome abgeklungen sind.

Diese Maßnahme können Sie zu Hause durchführen. Sie erhalten dafür ein Rezept.

Mundheilpaste

Um eine weitere lokale Gewebszerstörung rasch zu stoppen, empfiehlt es sich, auf die betroffenen Areale eine Paste aufzutragen, die Kortisol enthält. Dadurch wird die überschießende Freisetzung gewebsauflösender Enzyme und Botenstoffe durch die Zellen des Immunsystems zügig unterbunden.

 

Schmerzmittel und Bettruhe

Normalerweise klingen die akuten Schmerzen nach der Reinigung, Desinfektion und Mundheilpaste recht schnell wieder ab. Unterstützend kann eventuell ein gängiges Schmerzmittel   (Paracetamol oder Ibuprofen) verordnet werden.

Bei Fieber sollten Sie das Bett hüten.

Antibiotika

Bei sehr ausgeprägten Krankheitsbildern wird manchmal auch ein Antibiotikum verordnet. Bakterien und Pilze halten sich normalerweise gegenseitig in Schach. Wenn man gegen die Bakterien mit Antibiotika vorgeht, kann es leicht zu einer Pilzinfektion des Mundes kommen, insbesondere, wenn die Immunabwehr des Patienten eingeschränkt ist. Dann muss zusätzlich noch ein Anti-Pilz-Mittel verschrieben werden.

Überweisung zum Internisten

Da nekrotisierende Parodontalerkrankungen häufig ein Frühsymptom allgemeinmedizinischer Erkrankungen sein können, empfiehlt sich aus medizinischer Sicht immer eine internistische Abklärung.

© 2019 Zahnarztpraxis Dr. Imogen Wilde

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